Reden
07.05.2015, 12:00 Uhr | Abgeordnetenhaus von Berlin
 
Ehrenamtskarte des Berliner Senats
Joachim Krüger (CDU):
Herr Präsident! Meine Damen, meine Herren! Zum zwei-ten Mal haben wir als CDU-Fraktion gemeinsam mit der SPD, das wurde hier schon angesprochen, das Thema Entwicklung der Ehrenamtskarte zu unserer Priorität gemacht, weil dieser Antrag stellvertretend für unsere Wertschätzung der ehrenamtlichen Tätigkeit so vieler Berlinerinnen und Berliner steht und weil wir auf diesem Weg die Arbeit des noch jungen Ausschusses für Bürgerschaftliches Engagement noch weiter und nachhaltiger in die Öffentlichkeit tragen wollen.
Abgeordnetenhaus von Berlin -

Es ist jedoch Voraussetzung einer vielfältigen Anerkennungskultur für ehrenamtliches Bürgerinnen- und Bürgerengagement – und hier sind wir gar nicht so weit auseinander –, dass wir in zwei Positionen unsere Verhaltensweise ändern. Zum einen sind Ehrenamt und bürgerliches Engagement keine Lückenbüßer oder -schließer für kalkulierten oder fahrlässig zugelassenen Personalmangel in vielen um die menschliche Arbeit kreisenden Tätigkeitsfeldern. Und: Ehrenamt bereichert, aber ersetzt nicht die professionelle Arbeit. Vielfach gibt sie den professionell Ausgebildeten die Chance, sich auf ihre verantwortliche Tätigkeit überhaupt erst wieder zu konzentrieren und dabei wertvolle Tätigkeitsfelder den engagierten Ehrenamtlichen zu überlassen.

Von daher müssen wir einem Gegeneinander von ehrenamtlich Tätigen und Hauptberuflern entschieden entgegenwirken. Beide Seiten müssen lernen, fantasievoll, sensibel und auf gleicher Augenhöhe miteinander umzugehen. Dabei sollten auch Ehrenamtliche bereit sein, sich weiterzuentwickeln und fortzubilden. Wir müssen ihnen aber dazu auch die Chancen gewähren.
Ehrenamtlich Tätigen kann man viel mehr zutrauen, als wir herkömmlich meinen. Das haben uns in den letzten Monaten die Kontakte zu den Kräften der Freiwilligen Feuerwehr ebenso gezeigt, wie junge Menschen, die unter dem Dach der Caritas Gleichaltrigen helfen, Selbstmordgedanken und -absichten zu überwinden und zu neuer Lebenshoffnung zurückzufinden. Beide Beispiele belegen, wie wichtig die Verzahnung von Tätigkeit von Hauptberuflern und ehrenamtlich Tätigen ist. Sie zeigen aber auch, dass Wertschätzung und Dankesreden ohne eine zielführende finanzielle Unterstützung nicht ausreichen. Gerade hier wird deutlich, dass die Ehrenamtskarte junge und ältere ehrenamtlich Tätige gleichermaßen berücksichtigen sollte. Dies gilt für die Zahl der zu vergebenden Karten ebenso wie für die Vielfalt und den unterschiedlichen Altersbezug der dadurch vergünstigten Angebote.

Ehrenamtstätigkeit ist auch ein Stück weit die Organisation von eigenen Interessen, wenn z. B., wie wir es im Sozialwerk Berlin gesehen haben, Dutzende von ehrenamtlich Tätigen gemeinsam mit den täglichen Besucherinnen und Besuchern ein selbstbestimmtes Leben im Alter organisieren. Ohne diese Ehrenamtstätigkeit, die Menschen unter dem Aspekt „Gemeinsam statt einsam“ bewegt, würde diese Gesellschaft viel kälter sein und sich weiter entsolidarisieren. Besondere Anerkennung sollte das Ehrenamt auch dort finden, wo es Brücken über die Generationen baut. Auch dieses wirkt der Entsolidarisierung in unserer so komplizierten und unübersichtlich gewordenen Gesellschaft entgegen.

Viele der ehrenamtlich Tätigen verbringen erhebliche Teile ihrer Freizeit in ihrem Ehrenamt. Deswegen plädieren wir dafür, dass die zukünftige Ehrenamtskarte eine Vielfalt an wertvollen Angeboten aufweist und verschie-dene Tätigkeitsfelder anbietet, die ihre Grenzen natürlich nicht an der Stadtgrenze Berlins finden sollten.

Ehrenamtliche Tätigkeit hat auch eine unmittelbar politische Dimension. Bei den heute schon mehrfach angesprochenen vielfältigen Bürgeraktivitäten bei der Aufnahme, Betreuung und Begleitung von Asylbewerbern in unserer Stadt haben wir dafür beste Beispiele. Diesen ehrenamtlich Tätigen stehen wir mit großer Sympathie und Dankbarkeit gegenüber.

Ehrenamtliches politisches Engagement in Sozialverbänden – damit komme ich zum Schluss –, in Gewerkschaften und Parteien sind zugleich die Garantie für eine lebendige und pluralistische Demokratie, die ihre Werte offensiv vertritt und auf diesem Weg ihre Feinde bekämpft und ins Abseits zwingt. Hierbei sind im Besonderen die vielen Tausend ehrenamtlich Tätigen zu nennen, die ihre Freizeit dem Engagement in Orts-, Abteilungs- und Kreisvorständen widmen, ohne jemals ins Abgeordnetenhaus oder in den Bundestag vorzudringen – oder dies überhaupt zu wollen. Auch sie gehören zu denen, deren Arbeit wir mit der Verleihung der Ehrenamtskarte in feierlichem Rahmen anerkennen sollten.

Zuerst soll nun die Arbeit zur weiteren Ausgestaltung der Ehrenamtskarte in den Händen des Senats liegen. Mit dem vorgeschlagenen Beirat – in der abgeänderten Form – wollen wir als politisch Tätige aber auch mit Verantwortung übernehmen und dabei interessierte Bürgerinnen und Bürger einbinden. – Ich danke Ihnen für Ihr Zuhören!
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